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VON GEORG LANGE


  • 900 Besucher hören im Milchwerk Snoopy-Musical
  • Gemischtem Chor gelingt ungewöhnliches Projekt
  • Auch Schüler der Teggingerschule auf der Bühne

Eine Kindheit ohne Snoopy, Charly Brown, Peppermint Patty oder Woodstock ist kaum vorstellbar. Die Bande spitzbübischer Kinder rund um den Beagle Snoopy eroberten als „die Peanuts“ weltweit die Herzen von Jung und Alt. Mit 15 schwungvollen Liedern in elf Tonlagen gab der Gemischte Chor Radolfzell eine erfrischende Hommage an den Kultklassiker. In zwei ausverkauften Vorstellungen im Milchwerk nahm der Chor mit der Musical-Adaption „Snoopy“ die Herzen von 900 Besuchern ein.

Kinder des Chores aus der Teggingerschule unterstützten den Chor der Erwachsenen. Sieben Schauspieler schlüpften in die Rollen der Comicfiguren. Mit der Idee einer szenischen Lesung setzte Chorleiter Jochen Struppi neue Akzente in der Radolfzeller Chormusik-Szene und hob sich mit seiner Inszenierung vom gängigen Format des Musicals ab.

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Die Sprecher Stefan Peschl (v.li.), Judith Jäger und Lukas Dittrich schlüpfen in die Charakter von Snoopy, Lucy und Charly Brown. | Bild: Lange Georg

Christine Daniels-Kassel erlebte eine grandiose Stimmung, ein begeistertes Publikum sowie auch Begeisterung bei Chor und Kindern. „Alle sind begeistert und waren mit extrem viel Engagement dabei“, sprudelt es der Besucherin im Anschluss an die Aufführung heraus.

Carsten Pfenner aus Radolfzell kennt die Figuren von Snoopy seit seiner Kindheit. Die Charaktere nun in einem Musical anzutreffen war für ihn eine neue Erfahrung. Er empfand die Aufführung lustig, charmant, aber auch ziemlich intellektuell. Doch genau das habe ihm an der Vorstellung gefallen. „Dass Kinder mit in die Aufführung einbezogen wurden, finde ich toll“, berichtet der stolze Vater. Auch für seinen Sohn sei das Musical eine tolle Erfahrung gewesen.

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Die Kinderchor der Tegginger Schule erobert die Herzen der Besucher. | Bild: Lange Georg

„Es war ein sehr schönes Musical für Erwachsene und Kinder“, berichtete Gunnar Krumpholz im Foyer des Milchwerks: „Vom Inhalt her war es super gelungen.“ Dabei wurden viele kleine Geschichten erzählt, die ihm viel Spaß bereitet hätten. „Es war ein wunderschöner Abend“, berichtet Sebastian Cormier aus Radolfzell: „Vor allem meine Tochter war mit dabei“, sagte auch dieser Vater: „Wenn man seine eigenes Kind auf der Bühne sieht, dann macht es einen stolz.“ Die gute Mischung aus Kindern, dem älteren Chor und in Verbindung mit einem Musical habe die Vorstellung top gemacht, so Cormier.

Aus Konstanz fuhr Sandra Grawe zur Vorstellung. Sie zeigte sich beeindruckt und habe sich prächtig amüsiert. So einen Chor hatte sie noch nie gesehen. Zum ersten Mal habe sie eine Musicalaufführung in dieser Art erlebt.

Regina Müller kam eigens aus Oberkirch bei Offenburg zum Musical. In München hatte sie auf dem Oktoberfest eine Sängerin des Chores kennengelernt. Müller zeigte sich von der Idee des Musicals fasziniert und wollte die Vorstellung des Chores in Radolfzell erleben. Die Aufführung habe ihr Freude bereitet. Ihr Mann zeigte sich beeindruckt von der Professionalität des Chores. Im Mai wolle das Paar nochmals nach Radolfzell mit seinem eigenen Chor anreisen – Musik verbinde einfach die Menschen, so die Besucherin.

Neuerung in der Radolfzeller Chorszene

Der Chor erhielt das Recht, das Musical konzertant aufzuführen und durfte die Szenen dialogisch lesen. Dabei fungierten die Schauspieler als ein exzellentes Sprachrohr der Texte vom Erfinder der Peanuts-Figuren. In erster Linie wollte Chorleiter Jochen Stuppi ein Chorkonzert geben und auch die Sänger in Szene setzen. Für Chöre gäbe es zwar Medleys oder Arrangements eines Musicalliedes; doch das Neue an dieser Aufführung sei die Adaption eines gesamten Musicals für einen Chor. So etwas habe er in dieser Form noch nie gesehen oder gehört, erläuterte der Chorleiter

Eineinhalb Jahre lang geprobt

Die Proben begannen vor eineinhalb Jahren. Der Amateurchor erarbeitete sich 15 Stücke musikalisch und textlich. Um die Tiefe der Stücke zur Geltung zu bringen, forderte der Leiter eine für den Chor außergewöhnliche lange Vorbereitungszeit von den Sängern ein. Zur Aufführung gehörten 63 Würfel, die von einem Dreierteam des Chors an mehreren Tagen bemalt und beschriftet wurden. Die aus Pappe bestehenden Festivalhocker dienten Schauspielern als Sitzgelegenheiten oder wurden vom Chor passend zur Szene neu angeordnet.

Beim Chorwochenende erarbeiteten die Sänger ein 16-seitiges Skript für das Bühnenbild und übten das geräuschfreie Stapeln der Würfel ein und wie sie die Elemente über die Köpfe des Chores hieven konnten. Machtlos war jedoch der Chor gegenüber der Akustik im Milchwerk. An ganz unterschiedlichen Publikumsreihen hatte man den Chor in seiner Brillanz verschieden wahrgenommen.

Die Akteure stemmten die Anforderungen an ein professionell aufgeführtes Bühnenstück. Für die finanzielle Unterstützung seines außergewöhnlichen Projektes konnte der Chor viele Sponsoren gewinnen. Allein die Produktionskosten beliefen sich mit den Ausgaben für Schauspieler, Musiker und Rechte sowie der Wochenendprobe des 63-köpfigen Chores auf 24 000 Euro.


Mitwirkende

Bei der Aufführung des ungewöhnlichen Projekts „Snoopy – the Musical“ im Radolfzeller Milchwerk standen insgesamt rund 100 Akteure auf der Bühne. Es beteiligten sich 63 Sänger vom Gemischten Chor Radolfzell sowie 30 Kinder aus der Tegginger Schule an der viel beachteten Produktion. Als Pianist war Christoph Hoffmann dabei, Schlagzeug spielte Dominik Morgenstern. Als Bühnendarsteller fungierten Stefan Peschel (Snoopy, Sprecher), Clea Roth (Woodstock), Lukas Dittrich (Charly), Anna Blomke (Peppermint Patty), Nathalie Fromm (Sally), Rudi Görner (Linus) sowie Judith Jäger (Lucy). (gla)